Warum auch das beste UI-Design ohne starkes UX-Konzept scheitert

Eine Webseite oder App kann noch so hochwertig aussehen – sie verfehlt ihr Ziel, wenn sie ihre Funktion verfehlt. Nur wenn UI und UX eng verzahnt sind, entsteht ein Produkt, das ästhetisch überzeugt und das in gleichem Maße intuitiv erfasst und effizient genutzt werden kann.
Geschrieben vonLouisa Kühl2. Feb. 2026

Was sind die Unterschiede zwischen UI und UX?

UI steht für User Interface, also für die Benutzeroberfläche. Unter UI-Design fällt somit alles, was Nutzer:innen visuell wahrnehmen, wie z.B. Buttons, Farben, Schriften, Menüs, Icons und Layouts.

UX, also die User Experience, steht für das Nutzererlebnis – es bestimmt, wie sinnvoll, einfach und angenehm die Bedienung eines digitalen Produkts wahrgenommen wird. Das Ziel von UX-Design ist eine intuitive, verständliche und störungsfreie Nutzung, die dazu beiträgt, Ziele schnell und ohne Hürden zu erreichen.

Zur Visualisierung der unterschiedlichen Anteile wird gerne das Eisberg-Modell herangezogen:

UI-Design gestaltet die sichtbare Oberfläche – UX-Design sorgt für das Nutzungserlebnis dahinter. Während die UI sofort ins Auge fällt, macht sich die UX vor allem dann bemerkbar, wenn sie fehlt – und bleibt angenehm unauffällig, wenn alles rund läuft.

Warum UI-Design ohne UX-Design nicht funktioniert

Selbst das beste UI-Design wird also ohne abgestimmtes UX-Konzept scheitern. Ein beliebtes Praxisbeispiel dafür ist die so genannte “Norman Door”, die der Wissenschaftler Don Norman in seinem sehr lesenswerten Buch “The Design of Everyday Things” (1988) beschrieben hat. 

Seine “Norman Door" ist eine Tür, bei der nicht intuitiv erkennbar ist, ob man sie drücken oder ziehen soll – oder die im schlimmsten Fall sogar ein gegenteiliges Signal vermittelt. Der Griff, die Form oder die Beschriftung vermitteln oft irreführende Hinweise und führen zu Verwirrung, Zögern oder peinlichen Momenten.

Die “Norman Door” beschreibt ein Designkonzept, das nicht durchdacht ist und in der Anwendung versagt – obwohl es auf den ersten Blick gut auszusehen scheint.

Das Formular: Feedback macht den Unterschied

Dieses “Tür-Konzept” lässt sich problemlos auf die digitale Ebene übertragen. Nehmen wir als Beispiel das Formular. Selbst, wenn es nicht nutzerzentriert designt ist, kann es im ersten Moment zeitgemäß und ansprechend aussehen. Doch sobald Menschen anfangen, es auszufüllen, beginnt die Frustration.

1. Beispiel: Statusanzeige

Ein Nutzer füllt die Eingabefelder eines Anfrageformulars aus. Nach jedem Klick auf „Weiter“ erscheint ein neues Feld – ohne Hinweis darauf, wie viele Schritte noch folgen werden. Es gibt auch keine Möglichkeit einen Schritt zurückzugehen, um Eingaben zu korrigieren. Der Nutzer hat keine Orientierung, es ist kein Ende in Sicht – und so steigt er womöglich entnervt aus.

Was hier fehlt, ist ein durchdachtes UX-Design mit einer Fortschrittsanzeige und einem Zurück-Button. Diese beiden Elemente vermitteln ein Gefühl von Kontrolle, Transparenz und Verlässlichkeit.

Links: unzureichende Nutzerführung.
Rechts: Die Schrittanzeige und der Zurück-Button lassen keine Fragen offen.

2. Beispiel: Error-State

Eine Nutzerin füllt sorgfältig alle Felder eines Formulars aus und klickt auf „Absenden“. Statt einer Bestätigung erscheint eine vage Fehlermeldung: „Ein Feld wurde nicht korrekt ausgefüllt“ – ein Hinweis darauf, um welches Feld es sich handelt oder was genau falsch war, fehlt.

Nun beginnt die Suche: War es die E-Mail-Adresse? Die Postadresse? Das Geburtsdatum? Und wenn ja, was genau ist falsch? Mit etwas Glück findet die Nutzerin den Fehler – vielleicht gibt sie aber auch entnervt auf.

Wäre das Formular im Vorfeld einem UX-Check unterzogen worden, sähe das anders aus: Jedes Feld bekäme im Fehlerfall eine klare visuelle Markierung – etwa durch eine rote Umrandung – und eine präzise Erklärung direkt darunter, z. B. „Bitte geben Sie das Geburtsdatum wie folgt ein: TT.MM.JJJJ.“

So wird aus Frust Klarheit – und aus einem potenziellen Abbruch ein erfolgreicher Abschluss.

Links: Die Nutzerin kann nicht identifizieren, mit welchem Eingabefeld es ein Problem gibt.
Rechts: Das betroffene Feld ist farblich hervorgehoben und es gibt eine eindeutige Anweisung, wie der Fehler behoben werden kann.

3. Beispiel: Feedback

Nach dem Ausfüllen eines Formulars klickt jemand auf den Absenden-Button. Doch nach dem Klick darauf passiert... nichts. Die Seite lädt neu, das Formular ist leer und der Absender fragt sich: Wurde das Formular jetzt abgeschickt? Oder ist etwas schiefgelaufen?

Ohne Rückmeldung entsteht Unsicherheit. Die Folge: Nutzer:innen füllen das Formular erneut aus oder verlassen im Zweifel die Seite ganz. Unzufriedenheit entsteht in beiden Fällen.

Unter der Berücksichtigung einer guten UX erscheint nach dem Klick eine klare, eindeutige Erfolgsnachricht, z. B. „Vielen Dank! Deine Anfrage wurde erfolgreich übermittelt.“ Eventuell begleitet von einer kleinen Animation oder einem Häkchen-Symbol – eindeutig, zufriedenstellend und nutzerfreundlich.

Links: Nach Klick des Buttons lädt die Seite neu. Das Formular ist wieder leer.
Rechts: Nach Klick des Buttons bestätigt eine Erfolgsnachricht das Versenden der Anfrage.

Der Schlüssel zum erfolgreichen Nutzererlebnis

Das harmonische Zusammenspiel von UX und UI ist also das Rezept für digitalen Erfolg – von Nutzerzufriedenheit über Conversion bis hin zur langfristigen Kundenbindung. Während gutes UI-Design den ersten Eindruck prägt, Interesse weckt und visuell überzeugt, sorgt UX-Design dafür, dass sich Nutzer:innen mühelos zurechtfinden, ihre Ziele erreichen und gerne zurückkommen. Und das entscheidet letztlich darüber, ob Besucher frustriert abspringen oder zu glücklichen Kunden werden.

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